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Organisation SGI spotlight "Periimplantitis"

PD Dr. med. dent. Sven Mühlemann

SGI Spotlight Fortbildungsveranstaltung unter dem Titel „Periimplantitis – der Anfang vom Ende oder doch nicht“ in Olten.

Im Zentrum standen zwei Referate, die das komplexe Thema von der biologischen und der chirurgisch-mechanischen Seite detailliert beleuchteten. Der Anlass wurde von PD Dr. Sven Mühlemann organisiert und moderiert.

Dr. Marina Siegenthaler widmete sich der Frage „Erhalten mit Biologics – funktioniert das?“ und präsentierte ein umfassendes Update zu adjuvanten biologischen Therapien. Da der routinemässige Einsatz von Chlorhexidin wegen Resistenzbildungen zunehmend kritisch gesehen wird, rückte sie als zukunftsweisende Alternative insbesondere den Einsatz von Hyaluronsäure-Derivaten in den Fokus. Sie unterschied dabei detailliert zwischen niedermolekularer, hochmolekularer und quervernetzter Hyaluronsäure (HyA). Niedermolekulare HyA werden in den ersten 48 Stunden unter anderem zur Viskositätsregulation eingesetzt wird. Hochmolekulare HyA fördert die Geweberegeneration und wirkt entzündungshemmend. Quervernetzte HyA Produkte kombinieren beide Vorteile und bleiben als 'Scaffold für die Regeneration' 4-6 Wochen erhalten. Besonders vielversprechend sei zudem die Kombination von Hyaluronsäure mit Polynukleotiden (DNA), welche die Gewebehydration optimiert, oxidativen Stress reduziert und somit eine raschere Weichgewebeheilung unterstützt. Der Einsatz von Growth Faktoren in der Schweiz beschränkt sich zur Zeit auf die Anwendung von PRF/PRP.

Ihr Praxis-Fazit: Die systematische Zerstörung des Biofilms und die Desinfektion bleiben die Grundlage einer Periimplantitis-Therapie. Biologika bieten als Ergänzung ein hervorragendes Nutzen-Risiko-Profil hinsichtlich Sicherheit und klinischer Akzeptanz.

Prof. Patrick Schmidlin ging in seinem Vortrag „Periimplantitis: Doch effektiver mit der Zange?“ auf die teils ernüchternden Erfolgsaussichten der Periimplantitis-Therapie ein. Anhand einer Schweizer Umfrage zeigte er, dass Spezialisten bei der Behandlung signifikant häufiger zu chirurgischen (resektiven oder regenerativen) Techniken greifen als Nicht-Spezialisten. Da die Pathogenese in erster Linie ein multifaktorielles entzündlich-immunologisches Ungleichgewicht darstellt, spiele das Weichgewebe als biologische Barriere eine zentrale Rolle. Schmidlin betonte daher den absoluten Vorrang der primären Prävention und der strikten Zahnerhaltung getreu dem Leitsatz: „Kein Implantat – Keine Periimplantitis“.

Eindringlich warnte er zudem vor den Folgen aggressiver mechanischer Instrumentierung. Die mechanische Reinigung mit traditionellen Küretten setzt massiv Titanpartikel frei, die starke Entzündungsreaktionen hervorrufen und zytotoxisch wirken können. Pulverstrahlgeräte (Airflow) bieten hier für die Routine-Reinigung eine nachweislich schadensfreiere Alternative. Sollte bei Knochendefekten eine Implantatplastik nötig sein, empfahl er Siliziumkarbidsteine und Silikonpolierer für eine optimale Oberflächenglättung (wobei auch diese Rückstände hinterlassen). Dabei wies er jedoch eindrücklich auf das hohe Risiko iatrogener Schäden an Nachbarzähnen hin (bedingt durch den erschwerten Zugang). Bei fortgeschrittenem, nicht regenerierbarem Knochenverlust bleibt oft nur die Explantation, wenngleich radikale und neue Konzepte wie das i-RIP (immediate Re-Implantation Protocol) alternative Lösungsansätze aufzeigen.

Fazit: Periimplantitis bleibt eine immense klinische Herausforderung. Nur die Früherkennung einer Mukositis mit sofortiger therapeutischer Intervention kann eine Periimplantitis verhindern. Zu oft wir dieser Zeitpunkt leider verpasst. Denn die einzig erfolgsversprechende Periimplantitis-Therapie gibt es nach wie vor nicht!